Hier finden Sie Informationen über die Ausstellungen des Ateliers.

bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth 
Mai bis September 2019

Unsere Galerie

im Kunstraum Kesselhaus, Bamberg
18. Mai bis 5. Juni 2017

Unermesslich (wie das Leben) ist die Kunst.

Die Ausstellung LebensKUNST will aktuelle Kunst präsentieren, Kunst von heute, die von Künstlern mit und ohne Behinderung aus Bamberg bzw. in Bamberg geschaffen wurde. Der Betrachter soll keinerlei Handreichung auf eine etwaige Behinderung des Künstlers erhalten, sondern sich den Werken distanzlos als Ausdruck künstlerischen Schaffens widmen können.
Auf diesem Weg darf die grundsätzliche Frage nach dem gesellschaftlichen Stellenwert von Kunstwerken erörtert werden. Eingefahrene Sichtweisen zwischen „behinderter“ und „nichtbehinderter“ Kunst – und noch grundsätzlicher – die Unterscheidung zwischen Künstlern mit und ohne Behinderung dürfen in Frage gestellt werden.
Das Atelier LebensKUNST der Lebenshilfe Bamberg e.V. setzt sich somit vorbehaltlos dem Kunstliebhaber und der Kunstszene aus. Dies dürfte deutschlandweit erstmalig sein.

Presse- und Besucherstimmen

Welcher Künstler ist schon normal?

„Im Kesselhaus stellen behinderte und nichtbehinderte Künstler gemeinsam ihre Werke aus. Viele Maler hatten einen kleinen Dachschaden. Francisco de Goya, Edvard Munch, Vincent van Gogh sowieso. Bipolare Störung. Nora Gomringer führt sie in einer viel längeren Liste großer Künstler, Michael Jackson gehört noch dazu und Ernest Hemingway. Künstler, die ewig Währendes hinterlassen haben und mit einer seelischen Disposition durch die Welt gingen, Menschen, die eben nicht ganz "normal" waren.
Was das heißen soll, "normal", ist sicher auch eine der Fragen, die die Ausstellung "Lebenskunst" der Offenen Behindertenarbeit Bamberg stellt. Am Eingang haben sich Klaus Katscher und Harald Rink postiert, um, mittels Normalitätsscanner, zu überprüfen, welche Behinderungen die Vernissage-Gäste mitbringen. Mit Senk-Spreizfuß und Rückenleiden bekommt man das "Visum zur Lebens-Kunst" gerade so ausgestellt. Eine Dame führt an, dass sie häufig ihren Kamm nicht findet, ein junger Mann berichtet von "Matsch im Kleinhirn". Damit ist er hier gern gesehen.
Nur mit Visum dürfen die Besucher die Ausstellung im Kesselhaus überhaupt betreten. Es wird vom "Ministerium für Lebens-Kunst und Vielfalt" ausgestellt. Der Eintritt in das Land der Lebens-Kunst könne die Lebens-Einstellung verändern, heißt es. Bedingung für den Aufenthalt ist, mit allen Menschen "freundlich, respektvoll und tolerant" umzugehen.
Insgesamt 21 Künstler stellen im Kesselhaus ihre Bilder aus, Menschen mit und ohne Behinderung. Eine "Versuchsanordnung" nennt Nora Gomringer die Ausstellung in ihrer Begrüßungsrede. Ein Versuch mit dem Wunsch der "absoluten Wahrnehmung". Es geht nicht um die Namen derjenigen, die hier ausstellen und eben auch nicht darum, ob sie in einer Lebenshilfe-Werkstatt arbeiten oder als Künstler.
Seit drei Jahren unternimmt die Lebenshilfe ein Programm zur Begabtenförderung. Zwei Stunden pro Woche malt unter anderem Michael Knobel mit den Künstlern aus den Werkstätten. Im Gespräch mit Harald Rink erklärt der künstlerische Pate, warum eine solche Ausstellung nicht einfach nur schön, sondern wichtig ist: "Unser Bewertungssystem für Kunst stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Erst jetzt kommen wir dazu, diese Dinge gleichwertig zu betrachten." Im künstlerischen Ausdruck unterschieden sich behinderte nicht von nichtbehinderten Malern. Allein die technische Raffinesse mache den Wert eines Werks nicht aus.
Frank Licht drückt mit seinen zurückhaltenden Himmelsbildern sein Innerstes aus. Für ihn ist Kunst ein Weg, "dass die Leute sehen können, was einem Menschen in der Seele steckt." Ein Leben ohne Kunst sei für ihn nicht vorstellbar, weshalb er sich wünscht, dass das Projekt weiterläuft, solange es die Lebenshilfe gibt.
Philippe Eulig präsentiert im Rahmen der Vernissage nicht nur seine expressionistischen Farbspiele, sondern auch sein Talent am Saxophon. Gemeinsam mit Christian Reinhard nimmt er die Besucher mit auf eine Reise, die zu "grooveigen Inseln", in Unterwasserwelten, zu den Walen, und zurück ins Kesselhaus führt. Mal duellieren sich die beiden Saxophone mal brummen sie synchron, mal lässt Reinhard Eulig allein auf der Bühne, wo er sich mit geschlossenen Augen in sein eigenes Spiel fallen lässt. Die großartige Akustik im Kesselhaus verstärkt den teils ausufernden Jazz zusätzlich, die Musik scheint von überallher zu kommen.
Die Besucher sind umgeben von Bildern und eingehüllt in Klang. So ähnlich muss das gemeint gewesen sein, als Nora Gomringer sagte: "Ein Leben in der Kunst ist möglich, wenn wir ihr trauen."“

Andreas Thamm im Fränkischen Tag